Archiv für November 2007

Danny Franzreb: Differenzierungsfaktor Designer
Mittwoch, 07. November 2007, 13:26

Für den Web Designers Calendar 2007 hab ich Danny Franzreb interviewt und dieses inspirierende Frage-Antwort-Spiel, dass nichts an seiner Aktualität verloren hat, möchte ich euch in voller Schönheit nicht vorenthalten:

Ich muss gestehen, dass ich insbesondere deine Grafiken und Illustrationen sehr mag – wie hast du diesen unverwechselbaren Stil entwickelt? Mit welchen Techniken arbeitest du, woher beziehst du deine Inspirationen?

Um ehrlich zu sein versuche ich meinen Stil eigentlich permanent weiter zu entwickeln und auch zu verändern. Obwohl das natürlich nicht ganz so einfach ist, da man eben häufig aufgrund seiner vorherigen Arbeiten und eines bestimmten Stiles für ein Projekt gebucht wird. Ich mag es eigentlich gar nicht wirklich für einen bestimmten Stil bekannt zu sein, mir ist es viel wichtiger für meine kreative Arbeit geschätzt zu werden, so gehe ich auch an Projekte heran. Ich würde mich glaube ich auch schnell langweilen wenn ich mich immer wieder wiederholen würde, deswegen berührt meine Arbeit wohl auch so viele verschiedene Disziplinen. Zu dem Stil den du ansprichst könnte man sagen, dass der schon sehr nahe an Street-Art ist, nur sehr viel detaillierter, da die Arbeiten zum Teil digital entstehen und ich so mehr Möglichkeiten habe. Das ist dann häufig ein Mix zwischen Fotographie, Illustration und verschiedenen anderen Elementen. Es kann schon schnell passieren, dass ich ein bisschen detailverliebt werde und kleinste Elemente stundenlang neu platziere, verändere und wieder verwerfe. Technisch ist mein Stil wahrscheinlich auch eher schwierig zu beschreiben, da es eben vorkommen kann, dass ich eine komplette Grafik über Processing programmiere oder mal eine Illustration mit der Hand mache. Genauso gut ist es möglich dass ich Arbeiten in 3D beginne oder meine Illustrationen auf Fotografie basieren. Man könnte zumindest sagen, ich versuche meine Ideen mit den dafür am besten geeigneten Tools umzusetzen und dabei die Qualität meiner Arbeiten konstant zu steigern. Inspirieren kann mich eigentlich mehr oder weniger alles, es kommt ganz auf die Anforderungen des Projekts an. Die wohl wichtigste Inspirationsquelle für mich sind aber Kollegen und Freunde. Durch die Diskussionen kann ich mir qualitatives Feedback und neuen Input holen, so verlässt man auch seine Isolation und kann schnell kreative Blocks auflösen.
Danny Franzreb
Nach dem du sehr erfolgreich als Freelancer gearbeitet hast, bist du nun als Art Director bei „Scholz & Volkmer“ beschäftigt. Wie haben sich deine Arbeit und dein Tagesablauf dadurch verändert?

Eines der Ziele meiner Festanstellung war, mehr Rhythmus in meinen Tagesablauf zu bekommen, was zum Teil auch eingetreten ist. Zumindest bin ich jetzt zu den Kernarbeitszeiten von 9 bis 18 Uhr im Büro und theoretisch die restliche Zeit zuhause. Praktisch werden meine Tage manchmal natürlich länger und es kann auch mal sein, dass ich am Wochenende arbeite oder solche Interview hier mache. Aber in meiner Zeit als Freelancer hatte ich noch deutlich weniger Struktur in meinem Tagesablauf, da hat mein Arbeitstag auch gerne mal mittags begonnen und sich bis zum nächsten Morgen gezogen. Somit hat sich mein Tagesablauf schon normalisiert, was auch meinem Sozialleben zugute kommt. Trotzdem war eine nicht ganz so geregelt Arbeitszeit auch irgendwie nett. Meine Aufgaben haben sich teilweise auch verändert oder vielleicht besser, haben sich erweitert. Als Freier war ich nicht ganz so viel mit Designmanagement beschäftigt. Die Größe und Komplexität mancher Projekte hier erfordern manchmal viel Koordinationsaufwand, was häufig auch sehr interessant ist. Zwischendurch ein kleines Special oder ein freies Projekt weiß ich dann aber auch immer zu schätzen. Beides hat Vor- und Nachteile, eine ausgewogene Mischung funktioniert für mich momentan am besten, Größe ist zweitrangig solange die Projekte interessant sind.
Danny Franzreb
Erzähl uns etwas mehr über dein Engagement bei BD4D (www.bd4d.com)…

Ich habe vor einigen Jahren angefangen BD4D Events zu veranstalten. In Deutschland war ich Kurator von einem Event in Frankfurt und einem in Mannheim, die beide sehr gut besucht waren. BD4D sind Veranstaltungen von Designern für Designer bei denen einige Designer ihre Arbeiten präsentieren oder über relevante Themen sprechen. In Deutschland hatten wir unter anderem 3deluxe, THS und Renascent. Die Events sind immer sehr entspannt und wir engagieren uns da auch alle auf freiwilliger Basis. Das heist, keiner bekommt Geld oder profitiert von den Einnahmen, da der Eintritt soweit möglich frei ist und selbst die Location und das Equipment so organisiert werden.
Danny Franzreb
Was steht für dich persönlich in nächster Zeit auf dem Programm und was denkst du, welche Entwicklungen uns im Interaktiv- und Grafikdesign erwarten?

Für mich persönlich steht einiges auf dem Programm. Wieder mehr Events und Konferenzen denke ich, dann möchte ich auch gerne einen Lehrauftrag wahrnehmen, plus viele kommerzielle und unkommerzielle Projekte. Grafikdesign und Interaktive-Design ist schwer einzuschätzen, da zur Zeit viele Stile nebeneinander existieren und die Komplexität, aber meiner auch Qualität vieler Arbeiten konstant ansteigt. Was auch teilweise mit dem Zugang zu entsprechenden Tools wie Photoshop zusammenhängt, vor zehn Jahren wäre das undenkbar gewesen. Ich könnte mir vorstellen das aufgrund dieser Flut von Arbeiten und der hohen Komplexität man sich auch wieder mehr auf die Kernbedürfnisse der Menschen und des Projektes konzentrieren muss. Ich selbst mag hoch komplexe grafische Arbeiten sehr aber generell glaube ich das man einen Trend zur Einfachheit erkennen wird. Da möchte ich dann auch gerne auf die Ars-Electronica oder Maedas Blog verweisen, die diesen Sachverhalt sehr gut tematisieren. Dann glaube ich auch, dass der Erfolg eines Projektes viel mehr von Usern und deren Involvement abhängen wird als vom eigentlichen Design, YouTube oder MySpace sind da gute Beispiele, na ja und die damit verbundenen Buzz-Words sind ja hinreichend bekannt. Es ist aber eben für uns Designer nur wichtig diese Fakten im Hinterkopf zu behalten unsere Arbeit an sich wird dann der Differenzierungsfaktor für eine Brand sein. Ein anderer Trend der durch die Verbreitung von kostengünstiger Technologie zunimmt, ist die Verknüpfung von Mobile und Outdoormedia. Allgemein nimmt die Medienkonvergenz zu.

geschrieben in Grafik & Illustration, Interviews, WDC 07, Webdesign von Frank | 2 Kommentare
Open Logo Project 1.6: Corporate Design zum Anfassen
Donnerstag, 01. November 2007, 19:25

Nach einem spannungsgeladenen User Voting wurden am 27.10. die Gewinner von Spreadhirts “Open Logo Project 1.6” bekannt gegeben. Vorausgegangen war ein 2-monatiges Wettbewerbsverfahren, bei dem aus mehr als 2000 (!) eingereichten Vorschlägen für das neue Spreadshirt-Logo zunächst eine Vorauswahl von 15 “Grand Finalists” gekürt wurde, aus der die Community schließlich ihre Favoriten per demokratischer Abstimmung bestimmen durfte. Die Vorschläge der Community wurden bei der endgültigen Ermittlung der Gewinner durch Spreadshirt wohl berücksichtigt, deckten sich aber letztlich nicht mit dem Ergebnis des Votings.

Das Projekt hat Spreadshirt nicht nur zwei erstplatzierte Entwürfe für ein neues Corporate Design geliefert (”play with the forms” und “LoveTab“), sondern hat darüber hinaus der Designer Community einen wertvollen Fundus an grafischen Ideen und konzeptionellen Herangehensweisen beschert, der noch lange für Freude sorgen dürfte. Denn viele der Präsentationen und Erläuterungen zu den Logo-Entwürfen erweisen sich als überaus lohnenswerte Studienobjekte für all jene, die sich mit Corporate Design im allgemeinen und Logodesign im speziellen befassen. Die Grundelemente der gestalterischen Ideen werden aufgeschlüsselt, die Entwicklung der Signets transparent gemacht und die Umsetzbarkeit des jeweiligen Corporate Designs am Beispiel verschiedener Medien – vom Textildruck über das Plakat bis hin zum Onlineshop – unter Beweis gestellt.

Nachfolgend (von oben nach unten) die beiden erstplatzierten Arbeiten des User Votings “Pop your collar” und “Labelheads” sowie der drittplatzierte Entwurf “The Signal”:


geschrieben in Grafik & Illustration von Thomas | 3 Kommentare