Interviews

Erdbeeren für den Kleiderschrank
Montag, 11. August 2008, 9:23

Sommer ist Erdbeer- und T-Shirt Zeit! Logisch, dass wir das Interview mit Stefanie Budesheim in den August gepackt haben. Ausführlich stellt sie Konzept und Erfolgsgeschichte von “LaFraise” vor, der Plattform des größten T-Shirt-Design-Wettbewerbs in Europa, plaudert über die Entdeckung von Talenten, wie z.B. cuypi und gibt einen Ausblick auf aktuelle Trends. Und wir geben einen Blick auf einige der “LaFraise”-Designs:

geschrieben in Interviews, WDC 08 von Frank | Comments Off
Usability komplex hinterfragen: Exklusiv-Interview mit Carlo Blatz
Freitag, 18. Januar 2008, 12:59

Carlo Blatz ist einer der deutschen Flashpioniere, mehrfacher Buchautor und international gern gesehener Speaker zu den Themen Flash, Onlinemarketing, Usability, Web 2.0 und WPF. Seine 1997 gegründete Agentur “Powerflasher“ hat sich mit über 1.000 Referenzen als kreativer, inhaltlich und technologisch innovativer Multimedia-Dienstleister positioniert. Wir freuen uns sehr, dass Carlo die Zeit gefunden hat, uns ein paar Fragen zu beantworten:

Carlo, Du bist nicht nur Flash-Pionier, sondern beschäftigst Dich seit geraumer Zeit auch intensiv mit anderen Web-Technologien wie WPF/Silverlight der AJAX. Welche Ziele verfolgst Du dabei?

Das Hauptziel ist natürlich diese neue Technologie kennenzulernen. Wenn ein unde mit einem Problem zu uns kommt wollen wir ihm die optimale Lösung mpfehlen können. Das klappt natürlich nicht wenn man die Palette der Möglichkeiten nicht kennt. Reines Theoriewissen reicht uns dabei nicht, sodass wir bereits Mitte letzten Jahres erste Jobs mit WPF fertiggestellt
haben.

All diese wunderbaren Technologien geben vor allem Designern die nötigen Tools an die Hand, um Usability für Benutzer zu revolutionieren. Doch was achen wir draus? Flash hatte ursprünglich wenig mit Usability am Hut, auch Microsoft hat mit Features wie 3D, Audio und Video nicht zuerst Nutzerfreundlichkeit im Kopf. Hier geht es vorrangig um Emotionen und Experience. Aber kann man das wirklich von guter Usability trennen?

Meiner Meinung nach kann man das nicht trennen. Usability ist doch pure motion. Wenn ich dabei nur an meine Wut bei einem schlecht zu bedienenden nterface denke - Pure Emotion ;). Ich denke 3D und Co lässt sich vor allem gut im Marketing verkaufen. Die Nutzer hingegen haben nur sehr selten einen wirklichen Usability-Vorteil von 3D und nehmen es aufgrund der 2D-Maus-Bedienung auch nur schwer an. Man kann es aber geschickt einbringen wenn man Dinge in die Tiefe sortiert oder die Rückseite von Flächen nutzt o.ä..

Was verstehst Du unter guter Usability?

Gute Usability ist nicht unbedingt das natürlich naheliegende, sondern oftmals das gelernte. Meine Oma würde den Schließenknopf sicher nicht rechts oben intuitiv vermuten. 90% der Computerbenutzer aber sicher (Der Rest sind dann MAC Nutzer ;)). Man muss also erst einmal die Zielgruppe und deren Verhalten kennen um für sie gute Usability zu gestalten. Aber Du hast nach meiner persönlichen Meinung gefragt. Es begeistert mich wenn ein Interface intuitiv auf mein Verhalten reagiert, unnötige Optionen ausblendet oder im richtigen Moment passende Empfehlungen gibt etc. Ich umgebe mich ja auch lieber mit schnellen und intelligenten Menschen, so möchte ich auch mit meinen Programmen schnell und intuitiv agieren. Ein anderer Aspekt ist sogar noch etwas näher an den Emotionen: Farben, Formen, Schriften. Die Gestaltung ist enorm wichtig für die Usability. So kann ich früh Akzeptanz schaffen, das Auge richtig führen und den Lernprozess für den Nutzer deutlich vereinfachen.

Was sind besonders schlechte Erfahrungen?

Schon mal online eingekauft? Da denke ich zuerst an andere Gefühle… Wenn ich in der Stadt spontan etwas Nettes für mich kaufe, kann ich es anfassen, befriedige dabei einen Wunsch, erlebe etwas und freue mich darüber. Diese Emotionale Befriedigung und Experience können mir die meisten Onlineshops noch nicht bieten. Vor allem wegen mangelnder Usability.

…Online-Shopping ist wohl nicht gerade das freudige, befriedigende Erlebnis, das Dir vorschwebt?

Naja Selbststudie: Welche Emotionen kommen denn in einem hoch, wenn man 10 Minuten in das Interface eines führenden deutschen Personentransportunternehmens investiert und trotz mühsam eingegebener Details keine passende Verbindung erhält? Verärgerung? Oder was, wenn man auf den “Zurück”-Button klickt, nur um die Zeit zu korrigieren, die Session allerdings alle Eingaben verloren hat und man alles nochmal eintippen muss? Frustration! Da soll sich noch einmal jemand über zu knapp eCommerce-Umsätze beschweren, wenn 70% der Kaufwilligen nicht bis zum Checkout kommen. Die wollten kaufen, haben es aber nicht geschafft!

Wie sieht der Weg aus der Usability-Misere Deiner Meinung nach aus?

Ich lobe mir die Möglichkeiten der Web2.0-Welt, mit all ihren AJAX- und Flashmöglichkeiten, um solche Frustrationen durch intelligent gestaltete OneScreenApplikationen zu vermeiden. Das müssen nun noch viele, viele Webdesigner verstehen und richtig anzuwenden lernen. Das Verständnis der technischen Möglichkeiten und das Wissen über Usability sowie die Kreativität es richtig zusammenzubringen muss zum Selbstverständnis jedes Webdesigners werden.

Was würde sich konkret ändern?

“Zurück”-Button ­ ade! Stattdessen: Live Search Results, Rollover-Optionen, hybride Interface-Reaktionen, aktuell Unwichtiges ausblenden und Wichtiges highlighten. Es stimmt zwar, wie eben gesagt, dass Gelerntes oft einfacher ist als Neues, doch innovative Verbesserungen haben aber Erfolg, wenn sie einfach nur intuitiv sind (Intuition ungleich lernen/üben/verstehen).

Kannst Du uns ein wegweisendes Beispiel nennen?

Noch lange nicht perfekt, aber ein großer Schritt in die richtige Richtung ist www.townkings.de. Hier wird das interaktive Medium mit all seinen Möglichkeiten begriffen und genutzt, um das Auge zu führen, das Gehirn zu entspannen und dasHerz aufgehen zu lassen.

Townkings
Dein Fazit?

Das Thema Usability muss komplex hinterfragt werden. Es geht um mehr, als den “Schließen³-Button rechts oben. Und wer weiß, hätten mich die Personenbeförderer etwas wärmer und emotionaler empfangen, hätte ich ihnen ja vielleicht sogar verziehen. So dankt ihnen mein Reisebüro.

Danke Carlo für das Gespräch!

Danke Frank, gerne wieder - macht weiter so! Alles gute für euch auch in 2008.

geschrieben in Agenturen, Flash, Interviews von Frank | Comments Off
Danny Franzreb: Differenzierungsfaktor Designer
Mittwoch, 07. November 2007, 13:26

Für den Web Designers Calendar 2007 hab ich Danny Franzreb interviewt und dieses inspirierende Frage-Antwort-Spiel, dass nichts an seiner Aktualität verloren hat, möchte ich euch in voller Schönheit nicht vorenthalten:

Ich muss gestehen, dass ich insbesondere deine Grafiken und Illustrationen sehr mag – wie hast du diesen unverwechselbaren Stil entwickelt? Mit welchen Techniken arbeitest du, woher beziehst du deine Inspirationen?

Um ehrlich zu sein versuche ich meinen Stil eigentlich permanent weiter zu entwickeln und auch zu verändern. Obwohl das natürlich nicht ganz so einfach ist, da man eben häufig aufgrund seiner vorherigen Arbeiten und eines bestimmten Stiles für ein Projekt gebucht wird. Ich mag es eigentlich gar nicht wirklich für einen bestimmten Stil bekannt zu sein, mir ist es viel wichtiger für meine kreative Arbeit geschätzt zu werden, so gehe ich auch an Projekte heran. Ich würde mich glaube ich auch schnell langweilen wenn ich mich immer wieder wiederholen würde, deswegen berührt meine Arbeit wohl auch so viele verschiedene Disziplinen. Zu dem Stil den du ansprichst könnte man sagen, dass der schon sehr nahe an Street-Art ist, nur sehr viel detaillierter, da die Arbeiten zum Teil digital entstehen und ich so mehr Möglichkeiten habe. Das ist dann häufig ein Mix zwischen Fotographie, Illustration und verschiedenen anderen Elementen. Es kann schon schnell passieren, dass ich ein bisschen detailverliebt werde und kleinste Elemente stundenlang neu platziere, verändere und wieder verwerfe. Technisch ist mein Stil wahrscheinlich auch eher schwierig zu beschreiben, da es eben vorkommen kann, dass ich eine komplette Grafik über Processing programmiere oder mal eine Illustration mit der Hand mache. Genauso gut ist es möglich dass ich Arbeiten in 3D beginne oder meine Illustrationen auf Fotografie basieren. Man könnte zumindest sagen, ich versuche meine Ideen mit den dafür am besten geeigneten Tools umzusetzen und dabei die Qualität meiner Arbeiten konstant zu steigern. Inspirieren kann mich eigentlich mehr oder weniger alles, es kommt ganz auf die Anforderungen des Projekts an. Die wohl wichtigste Inspirationsquelle für mich sind aber Kollegen und Freunde. Durch die Diskussionen kann ich mir qualitatives Feedback und neuen Input holen, so verlässt man auch seine Isolation und kann schnell kreative Blocks auflösen.
Danny Franzreb
Nach dem du sehr erfolgreich als Freelancer gearbeitet hast, bist du nun als Art Director bei „Scholz & Volkmer“ beschäftigt. Wie haben sich deine Arbeit und dein Tagesablauf dadurch verändert?

Eines der Ziele meiner Festanstellung war, mehr Rhythmus in meinen Tagesablauf zu bekommen, was zum Teil auch eingetreten ist. Zumindest bin ich jetzt zu den Kernarbeitszeiten von 9 bis 18 Uhr im Büro und theoretisch die restliche Zeit zuhause. Praktisch werden meine Tage manchmal natürlich länger und es kann auch mal sein, dass ich am Wochenende arbeite oder solche Interview hier mache. Aber in meiner Zeit als Freelancer hatte ich noch deutlich weniger Struktur in meinem Tagesablauf, da hat mein Arbeitstag auch gerne mal mittags begonnen und sich bis zum nächsten Morgen gezogen. Somit hat sich mein Tagesablauf schon normalisiert, was auch meinem Sozialleben zugute kommt. Trotzdem war eine nicht ganz so geregelt Arbeitszeit auch irgendwie nett. Meine Aufgaben haben sich teilweise auch verändert oder vielleicht besser, haben sich erweitert. Als Freier war ich nicht ganz so viel mit Designmanagement beschäftigt. Die Größe und Komplexität mancher Projekte hier erfordern manchmal viel Koordinationsaufwand, was häufig auch sehr interessant ist. Zwischendurch ein kleines Special oder ein freies Projekt weiß ich dann aber auch immer zu schätzen. Beides hat Vor- und Nachteile, eine ausgewogene Mischung funktioniert für mich momentan am besten, Größe ist zweitrangig solange die Projekte interessant sind.
Danny Franzreb
Erzähl uns etwas mehr über dein Engagement bei BD4D (www.bd4d.com)…

Ich habe vor einigen Jahren angefangen BD4D Events zu veranstalten. In Deutschland war ich Kurator von einem Event in Frankfurt und einem in Mannheim, die beide sehr gut besucht waren. BD4D sind Veranstaltungen von Designern für Designer bei denen einige Designer ihre Arbeiten präsentieren oder über relevante Themen sprechen. In Deutschland hatten wir unter anderem 3deluxe, THS und Renascent. Die Events sind immer sehr entspannt und wir engagieren uns da auch alle auf freiwilliger Basis. Das heist, keiner bekommt Geld oder profitiert von den Einnahmen, da der Eintritt soweit möglich frei ist und selbst die Location und das Equipment so organisiert werden.
Danny Franzreb
Was steht für dich persönlich in nächster Zeit auf dem Programm und was denkst du, welche Entwicklungen uns im Interaktiv- und Grafikdesign erwarten?

Für mich persönlich steht einiges auf dem Programm. Wieder mehr Events und Konferenzen denke ich, dann möchte ich auch gerne einen Lehrauftrag wahrnehmen, plus viele kommerzielle und unkommerzielle Projekte. Grafikdesign und Interaktive-Design ist schwer einzuschätzen, da zur Zeit viele Stile nebeneinander existieren und die Komplexität, aber meiner auch Qualität vieler Arbeiten konstant ansteigt. Was auch teilweise mit dem Zugang zu entsprechenden Tools wie Photoshop zusammenhängt, vor zehn Jahren wäre das undenkbar gewesen. Ich könnte mir vorstellen das aufgrund dieser Flut von Arbeiten und der hohen Komplexität man sich auch wieder mehr auf die Kernbedürfnisse der Menschen und des Projektes konzentrieren muss. Ich selbst mag hoch komplexe grafische Arbeiten sehr aber generell glaube ich das man einen Trend zur Einfachheit erkennen wird. Da möchte ich dann auch gerne auf die Ars-Electronica oder Maedas Blog verweisen, die diesen Sachverhalt sehr gut tematisieren. Dann glaube ich auch, dass der Erfolg eines Projektes viel mehr von Usern und deren Involvement abhängen wird als vom eigentlichen Design, YouTube oder MySpace sind da gute Beispiele, na ja und die damit verbundenen Buzz-Words sind ja hinreichend bekannt. Es ist aber eben für uns Designer nur wichtig diese Fakten im Hinterkopf zu behalten unsere Arbeit an sich wird dann der Differenzierungsfaktor für eine Brand sein. Ein anderer Trend der durch die Verbreitung von kostengünstiger Technologie zunimmt, ist die Verknüpfung von Mobile und Outdoormedia. Allgemein nimmt die Medienkonvergenz zu.

geschrieben in Grafik & Illustration, Interviews, WDC 07, Webdesign von Frank | 1 Kommentar
Büro Destruct: Grafik-Atelier im geordnetem Chaos
Donnerstag, 04. Oktober 2007, 14:54

Leider mussten wir uns in den letzten beiden Ausgaben des WEB DESIGNERS CALENDAR hin und wieder im Textumfang limitieren, was insbesondere zu redaktionellen Kürzungen der Interviews führte. Hier haben wir nun die Möglichkeit, euch die Gepräche in voller Länge zu präsentieren. Den Anfang macht mein Gespräch mit Lorenz Gianfreda (Lopetz) vom Büro Destruct.Buro Destruct
Das Büro Destruct gibt es seit 1992 und man braucht euch eigentlich nicht mehr vorstellen. Wir sind höflich und tun es trotzdem…

Nun, uns gibt ja bereits schon so lange, dass wir selber nicht mehr ganz genau wissen, seit wann, wie und warum es uns überhaupt gibt. So kann es sein, dass wir uns in jedem Interview ein bisschen anders vorstellen und die Fehlerquelle zunehmend grösser wird. Natürlich wäre es für uns selbst auch etwas interessanter, wenn wir unsere Geschichte jeweils neu erfinden könnten. Am verlässlichsten ist aber unsere spärliche, dafür mehrsprachige Info auf der BD-Website.

Schließen sich „Büro“ und „Destruct“ nicht in gewisser Weise aus?
Dieser Gegensatz ist seit jeher unser Programm. “Büro” steht für Ordnung und Präzision. “Destruct” dagegen steht für das Ausbrechen und die Ordnung über den Haufen zu werfen. Unser Name entspricht auch gut unserem wirklichen, alltäglichen Umfeld - ein Grafik-Atelier mit geordnetem Chaos.

Ihr seid so etwas wie das Aushängeschild der Schweizer Gestalter. Wie geht es der Szene in der Schweiz? Gebt uns bitte einen kurzen Einblick in das kreative Potenzial hinter den Alpen.
Man kann sagen, dass es den Schweizern gut geht. Die Kühlschranke sind voll mit Käse, Milch, Butter, Obst und Gemüse. Das Land ist schön eingebetet in Bergen und Seen. Trotzdem oder gerade deswegen müssen sich die kreativen Schweizer immer wieder beweisen und grosse Sprünge machen, um im eigenen land wahrgenommen bzw. anerkannt zu werden. Das mag ein Antrieb sein, und meist wird das Schweizer-Schaffen zuerst im Ausland erkannt. Hier in der Schweiz fühlt man nicht viel vom Schweizer-Graphik-Hype. Jeder bastelt fleissig seine Welt zusammen und spuckt sie per Web in die grosse weite Welt.

Zu Beginn eures Schaffens habt ihr insbesondere junge Künstler gefördert und unterstützt - ist das heute auch noch Teil eurer Philosophie?
Wir pflegen gute Freundschaften mit anderen Schweizer Graphikern/ Künstlern und unterstützen sie zurzeit vor allem durch unsere Aktivitäten/Ausstellungen im Büro Discount, unserer Galerie in Zürich. Ein weiterer Aspekt des Unterstützens von jungen Künstlern ist, dass wir auch immer wieder Aufträge für Newcomerbands und Labels, Startup- Companies etc. zu einem BD-niedertarif kreieren. Es gibt offenbar viele Leute die denken, das Büro Destruct brauchen wir gar nicht erst anzufragen, die sind eh viel zu teuer und zu busy…Buro Destruct
Im Laufe der Jahre habt ihr immer interessante Projekten an den Start gebracht. Insbesondere „Loslogos“ sorgte für große Aufmerksamkeit. Hat das Projekt mit der zweiten Buchveröffentlichung seinen Abschluss gefunden oder wie geht es weiter?

Das Projekt Loslogos besteht im Grunde genommen aus drei unabhängigen, aber sich gut ergänzenden Produkten: in erster Linie die Loslogos, Doslogos, Treslogos…, Buchreihe des „Gestalten Verlages ” welcher wir den Initial-Namen und dessen Logo gegeben haben. Zweitens ist loslogos.org eine web-basierte Plattform, die zur Aufgabe hat, verschwindende Logos aus Städten der ganzen Welt zu konservieren. Drittens ist Loslogos auch unser Spitzname, wenn das BD mit seinem Visual-Equipment als VJ’s auf Partys und anderen Events unterwegs ist.Buro Destruct
Eure Grafikarbeiten reichen von Corporate Identities und Logos über Anzeigen, Bücher, Plattenhüllen und CD Covers bis hin zu Poster, Flyer und vielem mehr. Seit 1995 zählt die Schriftenentwicklung zu euren Spezialitäten – gibt es so etwas wie eine bevorzugte Baustelle? Was macht für euch den Reiz einer Arbeit aus?

Der Reiz einer Arbeit besteht gerade darin, verschiedene Baustellen zu besuchen und sie miteinander zu verbinden. Viele unserer Erzeugnisse entstehen aus offenen Baustellen, die zum richtigen Zeitpunkt, richtig kombiniert und fertiggestellt werden. Zum Beispiel unsere Fonts sind Produkte, die oft lange vor sich herbrüten, manchmal nachträglich aus einem Flyer, Cd-Cover oder einem Poster entstehen, oder umgekehrt.

Bei den fantasievollen und präzisen Formen eurer Arbeiten lässt sich eine gewisse Affinität zu asiatischer Gestaltung erkennen. Woher kommt die und woher bezieht ihr grundsätzlich eure Inspiration?
Japan ist seit langem eine grosse Inspirationsquelle. Dort wird vielmehr bildhaft gelesen und spielerischer mit Formen umgegangen. Dies ist etwas, was wir von den Betrachtern all unserer Arbeiten auch immer wieder abverlangen wollen. Inspirationen ziehen wir in der Regel aus Reisen, Alltags-Gegenständen, Verpackungen, Musik etc.

Gibt es so etwas wie ein Lieblings-Logo, einen Lieblings-Font? Muss ja kein eigener sein… Was machen für euch einen unverkennbaren Font und ein besonderes Logo aus und wie geht ihr damit um, dass immer mehr Freefonts angeboten werden?
Wenn ich die frage Lieblings-Logo höre, denke ich sofort zuerst an die Farbkombination Weiß auf Rot. Das mag von CocaCola herkommen, dem wohl weltweit meist verbreiteten Brand. Weiß auf Rot war auch die Grundidee für das Loslogos-Logo. Eine Art “Ur-Über-Logo” zu kreieren. Fonts sind unterdessen mit Wegwerfartikeln zu vergleichen. Viele sind zeitlich limitiert und kommen in keiner Weise mehr an die Klassiker wie Helvetica oder Futura heran. Vielleicht ist es auch nicht mehr möglich, diese überhaupt zu toppen oder zu ergänzen. Auf alle Fälle versuchen wir das hier im BD nicht. Wir konzentrieren uns darauf neue Formensprachen für Schriften zu erfinden, die im grossen Meer der Fonts/Freefonts noch nicht aufgetaucht sind. Das wird zunehmend schwieriger, doch gibt es glücklicherweise immer wieder eine Tür, die noch offen steht.Buro Destruct
Seht ihr aktuelle typografische Trends? Was erwartet uns diesbezüglich in nächster Zeit? Allgemein und vom „Büro Destruct“ konkret.

Schreibschriften tauchen zusammen mit dem Illustrations-Boom vermehrt auf. Nüchterne Typografie ebenfalls. Im Moment mögen wir ältere Jugendstil und Art-Decco Fonts. Ein BD-Beitrag dazu ist die “BD Varicolor” oder die “BD Pipe”.

Vielen Dank für das Gespräch!

geschrieben in Grafik & Illustration, Interviews, WDC 07 von Frank | 1 Kommentar